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Lockheed F-104 "Starfighter"

Phantastisches, haiartiges Projektil,
Zipper, Witwenmacher... es gibt viele Bezeichnungen für
dieses Jagdflugzeug, dass der berühmte Konstrukteur
Clarence Johnson bei Lockheed als Reaktion auf
Erfahrungen des Koreakrieges entworfen hat. Optimiert in
Sachen Geschwindigkeit und Steigleistung ist die F-104
im Vergleich zu den gleichzeitig entstandenen Typen
MiG-21, SAAB J 35 Draken und Mirage III sicherlich der
extremste Entwurf ihrer Zeit gewesen. Von Captain Sim
gibt es die F-104 jetzt für FS 2002 und FS 2004. Man
kann sie über die Site online kaufen oder die CD
demnächst bei Just Flight erwerben.
Das
Aussenmodell der F-104 ist wunderbar gelungen. Die
atemberaubende Form der Maschine ist sehr schön
wiedergegeben und auch feine Einzelheiten wie der Blick
in das Cockpit von aussen, die diversen Markierungen,
Waffenhalterungen sowie das filigrane Fahrwerk sind
hervorragend nachgebildet. Gewisse Eigenheiten der
unterschiedlichen Serienmodelle fehlen aber. Korrekt
dargestellt ist auch die wie im Original ziemlich
schwache Nachtbeleuchtung der Maschine. Nachts
Zieldarstellung für andere Maschinen zu fliegen war in
der Realiät aufgrund der schlechten Sichtbarkeit der
F-104 nicht ungefährlich. Erfreulich ist, das es
"serienmäßig" eine ganze Menge unterschiedlicher
Bemalungen von Maschinen fast aller Betreiber der F-104
gibt, mit Ausnahme von Taiwan. Aber auch diese und eine
Menge weiterer Livrees findet man inzwischen als
Freeware. Schade finde ich, das der auch im Paket
enthaltene Trainer TF-104 sehr stiefmütterlich behandelt
wurde. Es gibt nur eine einzige Bemalung für eine
Maschine der USAF. Aber auch hier erhält man inzwischen
reichlich hervorragend gepainteten Nachschub aus der
Freeware-Szene.

Das 2D-Cockpit ist dem Original gut
nachempfunden. Die Ausrüstung des "Starfighterïs" ist im
Vergleich zu einer F-16 überschaubar bis spärlich, was
dem Original entspricht. So hatten die in Vietnam beim
65. TFW eingesetzten F-104D nicht einmal einen
Radarwarn-Empfänger... Die F-104 hat einen Autopiloten,
der die wichtigsten Funktionen abdeckt. Eine Landung per
Autopilot und ILS ist nicht vorgesehen. Ein GPS wurde
eingebaut, was nicht der Realität entspricht, aber eine
Alternative für das im FS nicht darstellbare
Trägheits-Navigationssystem von der Firma Litton ist,
das damals erstmalig in ein Jagdflugzeug eingebaut
wurde. Die Sichten sind soweit in Ordnung. Bei der
TF-104 fehlt aber der 2. Sitz in der Innenansicht und so
hat man auch keine Möglichkeit, mal auf den Platz des
Fluglehrers zu wechseln. Dies ist leider nicht möglich.
Das 3D-Cockpit des Einsitzers ist voll funktionstüchtig
und optisch gelungen. Das Radar kann den AI-Flugverkehr
aufspüren.
Die Flugeigenschaften des Starfighters
sind so, wie ich mir das Original immer vorgestellt
habe. Die Steigleistung ist phantastisch und Mach 2 wird
ohne Probleme in den dafür vorgesehenen Flughöhen
erreicht. Die "Wendigkeit" und der Kurvenradius sind
dagegen wie beim Original nicht akzeptabel. Während
eines klassischen Dogfights gegen ein agileres Flugzeug
möchte ich lieber nicht in einer F-104 sitzen.
Die Landung ist ein Kapitel für sich. In
Bodennähe zur Landung erst lange einkurven zu müssen ist
wegen des großen Kurvenradiusses keine gute Idee. Mit
einer Landegeschwindigkeit von 210 kn bei voll
ausgegfahrenen Klappen hereinkommen ist nicht sehr
angenehm. Im Landeanflug sollte man den Schubhebel
möglichst wenig bewegen, sondern die Speedbrakes
benutzen, um die Geschwindigkeit zu reduzieren. In
dieser Phase ist auch eine korrekte Trimmung sehr
wichtig. Das Fahrwerk ist beim "Starfighter" sehr
engspurig. Da muß die Landung wirklich "sitzen" und
"Verkannten" beim Aufsetzen kann fatale Folgen haben.
Sehr empfindlich reagiert die Maschine auf Seitenwind
bei Start und Landung. Zum Lieferumfang der F-104
gehört ein Programm namens TCE, das man vor dem Start
des Flightsimulators benutzen muß, um sich eine der
verschiedenen Rüstvarianten auszusuchen.
Die
Möglichkeiten sind:
- ohne Außenlasten - mit
Flügelendtanks - mit Flügelendtanks und
Unterrumpftanks - Air-to-Air-Variante -
Air-to-Ground-Variante - Doppelsitzer, austattbar
gemäß Varianten 1-5


Ferner wird das TCE dazu benutzt,
die Maschine, die man fliegen möchte auszusuchen. Im FS
nach dem Hochfahren sollte man sich das im TCE gewählte
Flugzeug aussuchen, da sonst gerade bei einem Tausch der
Rüstvariante falsche Treibstoffmengen und Massen
berechnet werden. Ferner dient das TCE auch zum
unkomplizierten Einfügen von aus der Freeware stammenden
Bemalungs-Varianten. Eher witzig finde ich die
Möglichkeit, einen "virtuellen Copiloten" zu wählen,
wahlweise mit deutscher oder englischer Sprache, Dieser
gibt vor allem bei der Landung Kommentare von sich gibt
wie "Hey, das ist kein Sturzflug" und man freut sich,
wenn er nach der Landung meint, "War doch garnicht mal
so schlecht, machen wir weiter mit der guten Arbeit".
Natürlich sollte man beim Fliegen mit dem Instrukteur
stilgerecht besser den Doppelsitzer TF-104 benutzen...
Für die ersten Flüge sollte man ruhig den virtuellen
Fluglehrer einschalten, denn seine Hinweise sind
durchaus von Nutzen. Ebenfalls zur F-104 gehört ein als
PDF-Datei mitgeliefertes Handbuch, das eine Erläuterung
der Cockpit-Instrumente mit Bild, Checklisten, taktisch
technische Daten und ein Leistungsdiagramm enthält.
Letzteres ist sehr sinnvoll, weil man so auf einen Blick
sehen kann, in welchen Flugbereichen bei Höhe und
Geschwindigkeit die F-104 "safe" ist.
Fazit: Die
F-104 ist eine Empfehlung für alle, die einmal Mach 2 im
FS 2004 fliegen wollen und fliegerisch anspruchsvolle
Flugzeuge mögen. So lange man sich im Bereich dessen
bewegt, was das Leistungsdiagramm vorgibt, ist die F-104
eine sichere Maschine. Bedienfehler und Mißachtung der
Eigenheiten des "Starfighter" vor allem bei der Landung
führen dagegen sehr schnell dazu, das man mit ihm ein
Loch gräbt.
Pro:
- bemerkenswert schönes
Außenmodell und gelungene Bemalungen
- dezente Nachbildung von
Abnutzungs-Spuren
- atemberaubendes, glaubwürdiges
Flugfeeling. Der Steigflug mit eingeschaltetem
Nachbrenner ist eine tolle Sache.
- spürbar veränderte
Flugeigenschaften bei unterschiedlichen
Rüstzuständen
- übersichtliche (englische)
Dokumentation
- funktionsfähiger
Bremsfallschirm
- funktionsfähiges
Radar
Contra:
- "generic F-104" ohne die
Besonderheiten einzelner Serienmodelle
- beim Trainer-Doppelsitzer TF
104 fehlt in der Innenansicht das hintere
Cockpit.
- hat ein engspuriges
Fahrwerk
- benötigt aufgrund ihrer
Eigenheiten Einarbeitung. Vor allem die Landung
gelingt nicht
unbedingt beim ersten
Mal.
Andreas R. Schmidt



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